Alles klar für die Zeit der Finsternis ?
November 11th, 2005
Der verlängerte Spätsommer geht langsam aber sicher zu Ende – es wird grau, kalt und dunkel vor dem Fenster. Offensichtlich haben sich die hoffnungsvollen Koalitionäre in spe geeinigt. Jede Seite hat erfolgreich die guten Ideen der anderen wegverhandelt. Übrig geblieben ist ein gangbarer Kompromiss bei der Vergabe von Pöstchen (= mehr Minister braucht bekommt das Land) und ein kräftiges Anheben der Steuern. Motto: der starke Staat muss endlich sparen und dafür braucht er nun mal jede Menge Geld. Eine Logik, der man sich nur schwer verschliessen kann.
Wirklich faszinierend ist dabei die Dynamik der Kompromissfindung zwischen Schwarz und Rot – Beispiel Mehrwertsteuer: ursprünglich wollten die einen gar keine Anhebung, weil sie zutiefst unsozial ist (stimmt) und der Konjunktur schadet (stimmt auch). Die anderen wollten eine Anhebung um maximal 2 Prozent, aber nicht, um die Haushalte zu sanieren, sondern wenn, dann nur um die Lohnnebenkosten zu senken (eine feine Sache). Und wie schaut der Kompromiss zwischen beiden aus ? Anhebung um satte 3 Prozent, von denen der größte Teil rückstandslos in den riesigen Haushaltslöchern versenkt wird. Hat da noch jemand Illusionen ?
Das verheisst auf jeden Fall viel Harmonie für die nächsten 4 Jahre. Schliesslich dürfte das Konfliktpotenzial recht überschaubar bleiben, wenn man sich immer schnell drauf einigen kann, dass jemand anders die Rechnung für das eigene Handeln zu begleichen hat.
Wie geht es dabei eigentlich den ganzen roten Jubelpersern, die bis kurz vor der Wahl nicht müde wurden, uns mit ihrem Propagandamüll zu beglücken ?
Fühlt Ihr Euch jetzt so richtig verarscht oder habt ihr sowieso nie geglaubt, was Ihr damals geschrieben habt ??


3 comments on “Alles klar für die Zeit der Finsternis ?”
01
es ist, wie es ist. politischer dillettantismus produziert nahezu immer müll. und wer glaubte, das charmante doppel-m der deutschen binnenpolitik bringe etwas geniales zustande mußte gehörte von vornherein ins reich der träumer. das man es aber geschafft hat, das wenig gute noch zu verschlimmbessern, das ist schon einen asbach uralt wert. so lautet die devise: wir wurschteln weiter, aber auf hohem niveau und unter endskis kanzlerinnenaugen…. glück auf.
02
“Fühlt Ihr Euch jetzt so richtig verarscht oder habt ihr sowieso nie geglaubt, was Ihr damals geschrieben habt ??”
Gegenfrage:
Haben die anderen keinen Wahlkampf gegen uns geführt? Ganz schön dünn gedacht das alles hier irgendwie. Niemand wollte die große Koalition, aber nun hat der Souverän das eben anscheinend so gewollt.
Das ist für uns alle eine ganz neue und nicht gekannte Situation. Damit müssen aber beide Seiten klarkommen. Egal, was man sich im Wahlkampf um die Ohren gehauen hat.
03
Gegenfrage:
Warum vorher für etwas gewählt werden, daß man hinterher nicht halten muß?
Beleidigt auf andere zeigen ist ein guter Versuch, von eigener Verantwortung abzulenken.
Sie haben Recht: Wenn ich ein Knöllchen für Falschparken bekomme, dann zeige ich auch mit dem Finger auf andere und beschwere mich, daß die nicht erwischt wurden.
Oder hat der vielleicht sogar so geparkt, daß ich genötigt wurde, im Halteverbot zu stehen?
Man hat immer die Wahl außer bei der Wahl.