Gedanken zur Gerechtigkeit im Steuerrecht…

September 17th, 2005

Hier mal ganz unkommentiert, ein kurzer Exkurs zum Lieblingswahlkampfthema der letzten Wochen…

So funktioniert das Steuersystem in Deutschland !?
(K)ein Märchen für Kinder

Es waren einmal 10 Männer, die jeden Tag miteinander zum Essen gingen. Die Rechnung für alle zusammen betrug jeden Tag genau 100,00 Euro. Die Gäste zahlten ihre Rechnung wie wir unsere Steuern und das sah ungefähr so aus:

Vier Gäste (die Ärmsten) zahlten nichts.

Der Fünfte zahlte 1 Euro.
Der Sechste 3 Euro.
Der Siebte 7 Euro.
Der Achte 12 Euro.
Der Neunte 18 Euro.
Der Zehnte (der Reichste) zahlte 59 Euro.

Das ging eine ganze Zeitlang gut. Jeden Tag kamen sie zum Essen und alle waren zufrieden.

Bis der Wirt Unruhe in das Arrangement brachte in dem er vorschlug, den Preis für das Essen um 20 Euro zu reduzieren. “Weil Sie alle so gute Gäste sind!” Wie nett von ihm! Jetzt kostete das Essen für die 10 nur noch 80 Euro, aber die Gruppe wollte unbedingt beibehalten so zu bezahlen, wie wir besteuert werden.

Dabei änderte sich für die ersten vier nichts, sie aßen weiterhin kostenlos. Wie sah es aber mit den restlichen sechs aus? Wie konnten sie die 20 Euro Ersparnis so aufteilen, dass jeder etwas davon hatte? Die sechs stellten schnell fest, dass 20 Euro geteilt durch sechs Zahler 3,33 Euro ergibt. Aber wenn sie das von den einzelnen Teilen abziehen würden, bekämen der fünfte und der sechste Gast noch Geld dafür, dass sie überhaupt zum Essen gehen. Also schlug der Wirt den Gästen vor, dass jeder ungefähr prozentual so viel weniger zahlen sollte wie er insgesamt beisteuere. Er setzte sich also hin und begann das für seine Gäste auszurechnen.

Heraus kam folgendes:

Der Fünfte Gast, ebenso wie die ersten vier, zahlte ab sofort nichts mehr (100% Ersparnis).
Der Sechste zahlte 2 Euro statt 3 Euro (33% Ersparnis).
Der Siebte zahlte 5 statt 7 Euro (28% Ersparnis).
Der Achte zahlte 9 statt 12 Euro (25% Ersparnis).
Der Neunte zahlte 14 statt 18 Euro (22% Ersparnis).
Und der Zehnte (der Reichste) zahlte 49 statt 59 Euro (16% Ersparnis).

Jeder der sechs kam günstiger weg als vorher und sogar die ersten fünf aßen immer noch kostenlos.

Aber als sie vor der Wirtschaft noch mal nachrechneten, war das alles doch nicht so ideal wie sie dachten. “Ich hab’ nur 1 Euro von den 20 Euro bekommen!” sagte der sechste Gast und zeigte auf den zehnten Gast, den Reichen. “Aber er kriegt 10 Euro!” “Stimmt!” rief der Fünfte. “Ich hab’ nur 1 Euro gespart und er spart sich zehnmal so viel wie ich.” “Wie wahr!!” rief der Siebte. “Warum kriegt er 10 Euro zurück und ich nur 2?

Alles kriegen mal wieder die Reichen!” “Moment mal,” riefen da die ersten vier aus einem Munde. “Wir haben überhaupt nichts bekommen. Das System beutet die Ärmsten aus!!”

Und wie aus heiterem Himmel gingen die neun gemeinsam auf den Zehnten los und verprügelten ihn.

Am nächsten Abend tauchte der zehnte Gast nicht zum Essen auf. Also setzten die übrigen 9 sich zusammen und aßen ohne ihn. Aber als es an der Zeit war die Rechnung zu bezahlen, stellten sie etwas Außerordentliches fest: Alle zusammen hatten nicht genügend Geld um auch nur die Hälfte der Rechnung bezahlen zu können!

…und wenn sie nicht verhungert sind, dann wundern sie sich noch heute.

(Quelle: unbekannt)

Staatsfinanzen | Comments Jump to the top of this page

8 comments on “Gedanken zur Gerechtigkeit im Steuerrecht…”

  1. 01

    dem vorposter kann ich nur zustimmen. Die Milchmädchenrechnung die hier zusammengebaut wurde ist äußerst arrogant. Sowas erwarte ich eigentlich nur von Lobbyverbänden und anderem Ungetier.

    squiddle at September 25th, 2005 around 07:21
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  2. 02

    Der gedankenlose Verfasser dieses Artikels läßt im Stile des schlimmsten Schweine-Kapitalismus die wichtigsten Punkte außer acht. So geht er frech davon aus, daß alle Männer das gleiche Essen bekommen. Von speziellen “Desserts”, z.B. Previlegien, sowohl bei Steuern, als auch bei der Rechtsprechung (Reiche werden öfter freigesprochen als Arme), wird überhaupt nichts erwähnt. Dazu kommt der große Irrtum, allein Besitz würde der Wirtschaft helfen. Dabei ist Besitz der größte Störfaktor der Wirtschaft. Denn die Reichen entziehen dem Wirtschaftskreislauf das Geld. Armut entsteht durch Reichtum! Das bedeutet nicht, daß die Lösung aller Probleme im Kommunismus zu suchen oder gar zu finden ist. Es bedeutet lediglich, daß die gewaltigen Steuervorteile für Reiche abgeschafft werden müssen, um die Wirtschaft aus dem Würgegriff der Schmarotzer zu befreien.

    Dazu vielleicht ein kleines Märchen für das volkswirtschaftliche Genie Bjoern:

    Auf eine Kirmes kommen Eintausend Menschen. 999 von ihnen haben kein Geld, einer hat eine Million Euro. Was passiert? Der Reiche ist zwei Würstchen, beschwert sich (verwöhnt wie er ist) über die Qualität, will sein Geld wieder haben, oder, weil er prominent oder bedeutend oder ganz doll wichtig ist, will er seine Würstchen umsonst haben. Die Würstchenfrau verdient kein Geld und stellt sich am Montag zu den Arbeitslosen in die Warteschlange. Eine Arbeitslose mehr!!!
    Nehmen wir das Gegenbeispiel: Eintausen Menschen kommen auf die Kirmes, und jeder von denen hat im Schnitt (!!! nicht alle gleich !!!) 1000 Euro in der Tasche. Was passiert ? (aufgepaßt, kleiner Bjoern!) Mindestens die Hälfte aller Besucher werden ein Würstchen essen. Die Würstchenfrau verdient ihr Geld, und kann davon leben! Am Montag geht sie nicht zum Arbeitsamt, sondern zum Bäcker und zum Friseur. Beide haben am Samstag bei ihr ein Würstchen gegessen. So, und nicht anders funktioniert Wirtschaft! Und wer das nicht verstehen kann oder will, sollte nicht derartigen Stuß zusammenschreiben, Bjoern!!!

    Peter Wurm at September 25th, 2005 around 12:04
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  3. 03

    > Der geht einfach weg, weil er woanders auch satt wird und man nicht hinterher auf ihn draufhaut.

    Geht er in ein anderes Industrieland, wird er aber wieder mehr oder weniger vor dem gleichen Problem stehen, oder? ;-)

    Zudem berücksichtig die Parabel nicht die zusätzlichen Gewinn- und Steuersparmöglichkeiten der hohen Einkommensgruppen. Deren Angehörige können immerhin einen Großteil ihres Geldes anderweitig für sich “arbeiten” lassen, und dies eben oft auch noch steuermindernd. Der Normal- oder gar Geringverdiener hingegen braucht sein Geld hauptsächlich für den Lebensunterhalt.

    ArrowTiger at September 27th, 2005 around 03:19
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  4. 04

    > Der geht einfach weg, weil er woanders auch satt wird und man nicht hinterher auf ihn draufhaut.

    Geht er in ein anderes Industrieland, wird er aber wieder mehr oder weniger vor dem gleichen Problem stehen, oder? ;-)

    Zudem berücksichtig die Parabel nicht die zusätzlichen Gewinn- und Steuersparmöglichkeiten der hohen Einkommensgruppen. Deren Angehörige können immerhin einen Großteil ihres Geldes anderweitig für sich “arbeiten” lassen, und dies eben oft auch noch steuermindernd. Der Normal- oder gar Geringverdiener hingegen braucht sein Geld hauptsächlich für den Lebensunterhalt.

    ArrowTiger at September 27th, 2005 around 03:19
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  5. 05

    > Der geht einfach weg, weil er woanders auch satt wird und man nicht hinterher auf ihn draufhaut.

    Als wenn man woanders keine Steuern ähnlich der unseren zahlen müsste! Da müsste man wohl schon, wenn man nicht gerade Schumacher heisst, nach Rumänien oder Kirgisien gehen, und wer will das schon… ;-)

    Ich würde eher hier bleiben. Da kann ich als Topverdiener jedenfalls noch jede Menge Steuersparmodelle und Anlagemöglichkeiten nutzen.

    ArrowTiger at September 27th, 2005 around 03:38
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  6. 06

    Man findet sicher in jedem Beispiel Schwachstellen aber ich denke das was einige hier schon richtig erkannt haben trifft voll und ganz zu: wer zu viel zahlen muss der geht (oder lässt zumindest sein Geld ins Ausland gehen). Daher wäre eine Flat-Tax bei der jeder gleichviel PROZENT Steuern zahlt (keine Abschreibungsmöglichkeiten) deutlich besser, leider ist die Mehrheit der Deutschen noch nicht bereit da mitzumachen.

    Schallus at September 30th, 2005 around 05:55
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  7. 07

    Hi All,

    sowohl der satirische Bericht von Björn, als auch nachfolgenden Kommentare haben einen Schönheitsfehler:

    Geld wir nur als Mittel zum Konsum betrachtet. Seine Funktion als Anlagekapital (Arbeitsplätze) wird dabei gern Vergessen.

    Geld in der Hand der Armen, wird meist nur zu Konsumzwecken verwendet und selten als Anlagekapital.
    Das Geld der Reichen, wird hauptsächlich zu Anlagezwecken verwendet und schafft dadurch Arbeitsplätze.
    Der Antrieb der meisten Reichen, ihr Geld zu vermehren, schafft daher Arbeitsplätze.

    Langfristig wird jeder Mensch, der mit Geld als Anlagekapital umgehen kann “reich” oder verbessert zumindest seine persönliche Situation. Der Vorteil für die anderen Menschen ist, dass der Reiche meist noch reicher werden möchte und dadurch Arbeitsplätze schafft.

    Diese Situation hatten wir im als “Wirtschaftswunder” bezeichneten “Asozialstaat”.

    Politisch geschürter Sozialneid führte zum Ende der 60er Jahre zur Gründung des Sozialstaats.
    Unter dem Stichwort “Soziale Gerechtigkeit” wird es den armen Egoisten fast unmöglich gemacht, reich zu werden. Denen, die noch Reich sind, wird erschwert noch reicher zu werden.

    Ein gesundes Unternehmen durch Entlassungen zu optimieren und Geldmittel frei zu machen, gilt als besonders schändlich. Obwohl das dadurch wieder Anlagekapital entsteht.

    Diese Situation wird als “Sozialstaat” bezeichnet. Wer die typischen Kennzeichen noch nicht bemerkt hat oder ignoriert, hier noch einmal die wichtigsten: Arbeitslosigkeit, steigende Armut, schlechte Gesundheitsfürsorge, sinkendes Bildungsniveau etc.

    Mit freundl. Grüßen
    Thomas Hempel

    Thomas Hempel at October 17th, 2005 around 07:22
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  8. 08

    Die hier zitierte kleine Geschichte ist sehr polarisierend und ist ganz sicher nicht geeignet
    die Realität (meiner Ansicht nach auch nur annähernd) korrekt wiederzugeben. Allein dass bei
    vielen unterschiedlichen Stellen im Netz damit ‘geworben’ wird, dass diese Geschichte von
    einem ‘ausgezeichneten Professor der Ökonomie’ (allein die Wortwahl ist zweideutig) in Amerika
    stammt, was offenbar nicht stimmt, wie hier http://www.snopes.com/business/taxes/howtaxes.asp
    nachzulesen ist, weist darauf hin, wie wenig diese Geschichte geeignet ist die wahren Gegebenheiten
    darzustellen. Allein, dass die Geschichte offenbar aus Amerika stammt und zunächst keinen konkreten Bezug
    zu Deutschland hat (es wird teilweise sogar behauptet, der Professor habe die Geschichte geschrieben um
    das Steuersystem in Deutschland zu erklären) zeigt schon die Werthaftigkeit des Ganzen. Selbst wenn der
    ein oder andere Gedanke darin der Realität entsprechen mag, blendet die
    Geschichte mutmaßlich bewusst alle Gegenargumente aus, die zu einer reellen Betrachtungsweise führen
    könnten und ist bestenfalls geeignet, durch Provokation eine kontroverse Diskussion hervorzurufen. Allgemein
    gilt hier auch sicherlich, dass bei der Nutzung der STRG-V – Kombination bisweilen etwas Sorgfalt was
    die Quellen angeht helfen kann.
    An folgender Stelle http://www.iweihs.net/MT-static/archives/000205.html habe ich eine Antwort gefunden,
    die die hier plakativ angebrachten Wahrheiten in ähnlichem Stil konterkariert:

    “Mir scheint der Herr Professor hat einige Fakten übersehen:

    - die Gastwirtschaft gehört zur Gast10-Konglomerat-Food-And-Drink-Company, die natürlich Gast 10 gehört.
    Der Wirt zahlt von den 100 eingenommenen Euro 99 direkt wieder an Gast 10.

    - Gast 9 ist der Rechtsanwalt von Gast 10, zusammen machen die beiden viermal jährlich einen Kurzurlaub
    auf dem Virgin Islands und zahlen dort schwarzgefärbtes Geld bei der Bank ein, sonst müsste
    Gast 10 womöglich noch die ganze Rechnug zahlen.

    - Gast 8 ist Politiker. Er hat immer Geld, weil er sein Gehalt selbst bestimmen darf, bekommt aber
    überall Vergünstigungen weil er auch darüber zu bestimmen hat und wenn er mal ein neues Auto braucht,
    geht er zu Gast 10, der schenkt ihm eins, einfach so…

    - Gast 7 ist Bankangestellter. Sein Einkommen ist sicher. Letztes Jahr hatte er mal kurz Angst
    ihn zu verlieren, weil der grosse Kredit an eine Tochterfirma von Gast 10 geplatzt war (Gast 9 war
    übrigens Geschäftsführer dieser Tochterfirma), Gast 10 sagte damals: das Geld ist weg und wenn ihr
    es einklagen wollt, dann zahle ich die anderen Kredite auch nicht mehr und dann ist eure Bank pleite.
    Da strich die Bank einfach die Kleinkredite von Gast 2, 3 und 4, die damals gerade dabei waren, sich
    einen kleinen Handwerksbetrieb aufzubauen, nun sind sie arbeits- und mittellos.

    - Gast 5 und 6 arbeiten noch für Gast 10. Jedes Jahr bekommen sie weniger Lohn und dauernd sagt
    man ihnen: wenn du mehr Geld willst, wirst du entlassen. Beide haben Kinder und ein Haus, das abbezahlt
    werden muss. Und obwohl sie immer weniger verdienen (es wird ja alles immer teurer und teurer), werden
    sie von Gast 10, Gast 9 und Gast 8 ununterbrochen gegängelt, sie sollten noch mehr von dem Essen bezahlen.

    - Gast 1 ist der Bruder des Gastwirtes. In den Abendstunden, wenn die Runde nicht da ist, arbeitet
    er schwarz in der Gastwirtschaft. Gast 1 denkt, er ist ein coole Sau, denn er sackt immer Kohle ein, muss
    nie bezahlen. Die gesparten Abgaben von seinem Gehalt bekommt er allerdings nicht, die teilen
    sich Gast 10 und der Gastwirt. Dieses am Essen vorbeigeschmuggelte Geld würde die Rechnung übrigens
    nochmal um 10 Euro senken.

    Ein Glück, dass Wirtschaft und Politik so einfach sind.”

    Dem letzten Satz kann ich mich nur anschließen – in diesem Sinne – frohen Weihnachsteinkauf (:

    P.S.: Dass die Geschichte mit Quellenangabe ‘Der folgende Auszug aus einem Artikel von David R. Kamerschen,
    Professor der Ökonomie an der University of Georgia…’ auf der offiziellen Homepage eines CDU-Bundestagsabgeordneten
    auftaucht (http://cdu.harz.de/313/) darf jeder selbst beurteilen…

    HKeks at November 18th, 2005 around 12:14
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