Freakwatch: Oskar verlässt den Schoss der Partei

May 24th, 2005

Irgendwie überschlagen sich gerade mal wieder die Ereignisse…

Netzeitung um 13:15:

Lafontaine will gegen die SPD kandidieren

Ex-SPD-Chef Lafontaine hat angekündigt, bei der vorgezogenen Bundestagswahl im Herbst gegen seine eigene Partei anzutreten. Er sei bereit, bei einem Linksbündnis mitzumachen, sagte er. (…)

Netzeitung um 13:53:

Lafontaine erklärt SPD-Mitgliedschaft

Nach seiner Ankündigung, bei der Bundestagswahl ein linkes Bündnis unterstützen zu wollen, zieht Oskar Lafontaine die Konsequenz. Er kündigte an, die SPD verlassen zu wollen. (…)

Ist das jetzt ein Fall von die Ratten verlassen das sinkende Schiff oder eher ein über Bord werfen von Ballast auf Seiten der SPD ? Naja, vermutlich ein bisschen von beidem.

Oskar spielt jetzt mit den Schmuddelkindern von der PDS ? Tja, wie sagte schon Willy selig: Da wächst zusammen, was zusammen gehört !!

SPD | Comments Jump to the top of this page

6 comments on “Freakwatch: Oskar verlässt den Schoss der Partei”

  1. 01

    Die PDS lehne ich auch ab. Aber Oskar kann man zumindest nicht vorwerfen, er hätte seine Meinung geändert. Anders als Gerhard Schröder. Im Wahlprogramm der SPD zur Bundestagswahl vom 22. September 2002 steht ausdrücklich:
    “Wir bekennen uns zur besonderen Verantwortung gegenüber den Schwächeren in unserer Gesellschaft. Deswegen wollen wir im Rahmen der Reform der Arbeitslosen- und Sozialhilfe KEINE Absenkung der zukünftigen Leistungen auf Sozialhilfeniveau.”
    Am 14. März 2003, mithin ein halbes Jahr (!) nach der Wahl, verkündete Schröder seine Agenda 2010, die bekanntlich genau das zum Inhalt hatte.
    Ich verstehe nicht, warum Lafontaine so unbeliebt ist. Er ist doch, im Gegensatz zu anderen, berechenbar.

    Michael Schöfer at May 24th, 2005 around 05:08
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  2. 02

    Nun bin ich auch alles andere eher als ein Freund der spießigsten Partei auf der konservativen Seite, also der PDS – aber dass es irgendwann auf eine USPD hinauslaufen würde, war doch klar. Ich erinnere mich noch gut, dass wir damals mit ein paar Linken schon Ende der 80er, spätestens aber Anfang der 90er über ein solches Szenario diskutiert haben. Es scheiterte immer daran, dass keiner der linken SPD-Promis bereit war, mitzugehen.
    Insofern ist es von Lafontaine konsequent. Und rückblickend muss man schon anerkennen, dass die Monate, die er Finanzminister war, die einzigen in den letzten 20 Jahren waren, in denen der Versuch unternommen wurde, an erfolgreiche Konzepte anderswo in Europa, insbesondere in Skandinavien, anzuknüpfen. Dass er am eigenen Apparat und an Schröder damit gescheitert ist, könnte einer der Hauptgründe für die aktuelle Misere der SPD und auch des Landes sein.
    (Nein, ich wähle ihn dennoch nicht und nehme ihm seine Fahnenflucht auch übel)

    der Haltungsturner at May 24th, 2005 around 09:51
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  3. 03

    Ja, da stimme ich dir zu.

    der Haltungsturner at May 25th, 2005 around 01:14
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  4. 04

    Vielleicht ist mein Blick vernebelt, weil ich ihn trotz allem mag. Ich bin nach seiner Wahl zum Vorsitzenden das zweite Mals in die SPD eingetreten und nach seiner Flucht zu den Grünen gewechselt (was allerdings andere Gründe hatte).
    Und sicher wird auch die Eitelkeit eine Rolle spielen, klar.
    Ich empfinde es aber als gelinde gesagt etwas wohlfeil, Leuten in erster Linie niedere Motive zu unterstellen (und Eitelkeit ist ja nicht umsonst eine der Totsünden) und auszuschließen, dass sie politische oder andere ehrliche Antriebe haben.
    Lafontaines Position und Ideen finde ich falsch – seine Kritik und sein Verhalten nicht.

    der Haltungsturner at May 25th, 2005 around 09:40
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  5. 05

    Also niedere Motive (na gut, ist sicher auch eine Frage der Definition) habe ich ihm nie unterstellt. Er hat damals einfach seine Lage realistisch eingeschätzt, gemerkt, dass er nicht die Rolle spielen wird, die er gern gespielt hätte und dann eine Entscheidung getroffen. Für mich ein gesunder Pragmatismus, der nichts mit Todsünden zu tun hat.

    Aber trotzdem: wäre es ihm wirklich primär um die Sache und nicht um seine Person gegangen, hätte er sich anders verhalten können – und müssen…

    Bjoern at May 25th, 2005 around 10:17
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  6. 06

    Naja, dass Oskar seine Meinung nie ändert, ist nicht ganz richtig, oder ?

    Mit dem, was er mal als Kanzlerkandidat so gepredigt hat, würde er sich heute problemlos als Heuschrecke qualifizieren. Und das war genau Ende der 80′er, Anfang der 90′er.

    Und was das Kämpfen für Ideale angeht: sorry, aber wer nach weniger als 5 Monaten gelangweilt den Job hinschmeisst, dem können diese Ideale nicht viel bedeutet haben. Er hat damals einfach gemerkt, dass Schröder und nicht er der Chef sein wird und das hat seine persönliche Eitelkeit nicht vertragen… mit Inhalten hatte das, meiner Meinung nach, herzlich wenig zu tun…

    Auch heute will er doch nicht wirklich was bewegen. Ausser Populismus habe ich von ihm jedenfalls bisher nichts gehört, was auch nur den Anschein eines ernsthaften Lösungsansatzes sein könnte…

    …ihm geht es doch nur darum wieder ein bisschen aus der Bedeutungslosigkeit raus zu kommen, die er sich selbst mal eingebrockt hat !

    Bjoern Ognibeni at May 25th, 2005 around 12:36
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