Visionen & Visionäre gesucht… dringend…

March 18th, 2005

Die “Große Rede” ist inzwischen Geschichte und wie schon vor 2 Jahren, war auch sie nicht der erhoffte “große Wurf” !

Schröder begann mit einer schwer verdaulichen Mischung aus Eigenlob für sich und Schuldzuweisungen für die andere. Darauf folgte ein Gewirr aus unzusammenhängenden Einzelmaßnahmen, deren Auswahl reichlich beliebig wirkte. Vieles davon sicher sehr sinnvoll, aber auch lange überfällig – warum ist das nicht schon seit Jahren realisiert ? Warum war das nicht Bestandteil der Agenda 2010 ??

Kein Ahnung !

Und genauso ging es auf dem Jobgipfel weiter. Die vereinbarten Ergebnisse sind ja alle ganz nett. Aber sie orientieren sich wieder allein am politisch Machbaren, nicht am tatsächlich Notwendigen.

Hinzu kommt, dass immer noch eine wesentliche Komponente fehlt, ohne die kein Reformkonzept (Moment – gibt es überhaupt ein echtes Konzept ?) erfolgreich sein kann: es wurde wieder einmal kein klares Leitbild entwickelt, keine übergreifende Vision, die den Pessimismus aus diesem Land vertreiben könnte.

Warum Leitbilder und Visionen so wichtig sind und wie sie konkret aussehen könnten, dies konnte man im letzten Jahr in der Brand Eins nachlesen. In der Juni-Ausgabe gab es dazu einen extrem lesenswerten Artikel. Weil sie so gut passt, hier die Einleitung daraus in voller Länge…

Zum Mond und zurück

Leitbilder sind keine Visionen einer besseren Welt. Sie sind ein klares Versprechen, aus Chancen Tatsachen zu machen. Das geht durch Verpflichtung und Arbeit.

Am Morgen des 20. April 1961 fand der amerikanische Vizepräsident Lyndon Baines Johnson Post in Form eines Memorandums auf seinem Schreibtisch vor.

Sie kam vom Chef persönlich.

Von John F. Kennedy, Präsident der USA von 1961 bis 1963, stammen die nachhaltigsten Visionen und Leitbilder der Zeit, die bis heute andauert. Kaum jemand kann ihm bis heute das Wasser reichen, wenn es darum geht, die Grundbestandteile von Leitbildern – Idee und Vision, Organisation und Motivation – so zu mixen, dass es schmeckt.

Was Johnson an diesem Morgen vorfindet, ist die Grundlage dessen.

Ohne Anrede kommt Kennedy direkt zur Sache: Sie sind doch Vorsitzender des Weltraum-Ausschusses, dann erstellen Sie mir doch mal eine Übersicht, wo wir in Sachen Raumfahrt gerade stehen. Haben wir eine Chance gegen die Russen? Sind wir in der Lage, einen Menschen auf den Mond zu bringen und sicher wieder zurück? Arbeiten wir an diesem Ziel 24 Stunden lang?

Wenn nein, warum nicht? Und falls nein, unterbreiten Sie mir Vorschläge, wie wir schneller werden können. Machen wir die größtmöglichen Fortschritte? Verwenden wir die richtige Technik? Gibt es Alternativen dazu? Erreichen wir unsere Ziele und womit? Ich möchte die Antworten darauf zum schnellstmöglichen Zeitpunkt. Ende der Durchsage. Unterschrift.

Dalli, dalli.

Lyndon B. Johnson machte sich extrem zügig an die Arbeit. Wenige Tage später hatte Kennedy die Antwort, und nur wenig später hielt er seine berühmte Rede ans amerikanische Volk, die den Satz enthielt:

„I believe, that this nation should commit itself to achieving the goal, before this decade is out, of landing a man on the moon and returning him safely to the earth.“

Dieser Satz wird beharrlich nur unvollständig ins Deutsche übersetzt, meistens ungefähr so: „Wir sollten bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond bringen und wieder sicher zurück zur Erde.“

Kennedy sagte aber: „this nation should commit itself“ – verpflichten sollte sich die Nation also.

Was man verspricht, muss man auch halten.

Weiter geht es hier…

(via Oliver Wünsche)

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