Arbeitsagentur.de – Neues vom großen Nürnberger EDV-Projekt

January 18th, 2005

Der “virtuelle Arbeitsmarkt” der Bundesagentur für Arbeit – zu finden unter Arbeitsagentur.de – ist inzwischen aus den Schlagzeilen verschwunden. Geblieben sind vermutlich die Probleme.

Das gesamte Projekt hat inzwischen ein Volumen von etwa 165 Mio Euro und ist damit mehr als doppelt so teuer, wie ursprünglich geplant. Was der Steuerzahler dafür erhält, wurde ja schon des Öfteren in Weblogs angemessen gewürdigt: z.B. hier oder hier.

Vor ein paar Tagen hat Martin Roell mal wieder ein schönes kleines Detail entdeckt: klickt man auf der Startseite unter “Arbeitsagentur Aktuell” auf den Link für Arbeitslosengeld II, so landet man auf einer Seite, die dem geneigten User erklären soll, wo genau in dem riesigen System er Informationen zum fraglichen Thema findet:

Ausführliche Informationen zum Arbeitslosengeld II, den Fördermöglichkeiten und Geldleistungen erhalten Sie hier auf unseren Seiten. Antragsformulare und Broschüren stehen ebenfalls zum lesen und herunterladen bereit.

Über den Menüpunkt Arbeitnehmer > Geldleistungen gelangen Sie direkt zu den für Sie wichtigen Informationen zum neuen Arbeitslosengeld II.

Oder wählen Sie den direkten Weg und geben folgende Adresse ein:

http://arbeitslosengeld2.arbeitsagentur.de

Eigentlich alles sehr klar und übersichtlich. Doch trotzdem gibt es zwei Probleme: zu einen existiert auf der fraglichen Seite gar kein “Menüpunkt Arbeitnehmer”. Und zum anderen sucht man in dem ganzen Fließtext etwas vergeblich, was doch eigentlich mal die Grundlage des World Wide Webs gewesen ist: einen Hyperlink zur fraglichen Seite !

Denn anstatt dem Benutzer lang und breit zu erklären, durch welchen Menüpfad er sich klicken oder welche Adresse er eingeben soll, könnte man ihn auch viel einfacher zu fraglichen Seite führen – nämlich so: Click Me !

Sicher, im Grunde ist das eine unwichtige Kleinigkeit. Doch sie zeigt sehr deutlich, wie die Leute denken, die den “virtuellen Arbeitsmarkt” aufbauen. Die basteln halt noch immer an Systemen zur Elektronischen Datenverarbeitung und haben mit modernen Web-Applikationen eher nix am Hut. Zugegeben, einfach ist deren Job ganz sicher nicht, denn alles was sie tun, geschieht unter enormen, politisch vorgegebenem Zeitdruck und baut vermutlich auf hoffnungslos veralteten Systemen aus Großrechnerzeiten auf.

Trotzdem: Ich frage mich, wie der “virtuelle Arbeitsmarkt” wohl aussehen würde, wenn man den Auftrag dafür nicht Accenture gegeben hätte, sondern z.B. den Leuten, die die Amazon Webservices entwickelt haben ? Möglicherweise hätten die schon nach ein paar Tagen entnervt aufgegeben. Aber nehmen wir mal an, sie hätten durchgehalten. Was für Dienste könnte man dann wohl heute den Beziehern von Arbeitslosengeld II online zur Verfügung stellen ?

Ich vermute mal, es wäre um einiges spannender, als die Möglichkeit zum Download von Broschüren und Formularen…

Arbeitsmarkt, Dosenmaut & anderer Unsinn, Staatliche Verschwendung | Comments Jump to the top of this page

One comment on “Arbeitsagentur.de – Neues vom großen Nürnberger EDV-Projekt”

  1. 01

    gute idee, den web-auftritt der arbeitsagentur durch amamzon webservices gestalten zu lassen, allein schon wegen der meldung:

    “kunden, die diese leistung beziehen, haben auch diese leistungen bezogen:”

    Uwe at January 18th, 2005 around 04:43
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