Bild macht Meinungen – wenn man sie lässt !

November 19th, 2004

Über einen Eintrag bei Klaus Eck bin ich gestern auf die Mitschrift eines interessanten Vortrags gestossen: “Florida-Rolf und Bohlens Lebensbeichte: zum Agenda-Setting der Bild”

Darin untersucht Kai-Hinrich Renner u.a. in wie weit Bild in der Lage ist, echten Einfluss auf das politische Geschehen in Deutschland zu nehmen. Eigentlich eine klare Sache, sollte man meinen. Aber anhand des Beispiels Bundestagswahlkampf 2002 – in dem Bild massiv Stoiber unterstützte – kommt er zu einem erstaunlichen Ergebnis:

“Wenn es der mit täglich zwölf Millionen Lesern größten deutschen Zeitung trotz bester Rahmenbedingungen nicht gelingt, dem von ihr unterstützten Kandidaten in einem Kopf-an-Kopf-Rennen einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen, kann es mit dem Einfluss des Blattes auf die politische Meinungsbildung seiner Leser nicht allzu weit her sein.

Diese Erkenntnis ist nicht sonderlich überraschend. Welcher Normalbürger kauft sich schon die “Bild”-Zeitung wegen ihrer politischen Berichterstattung?”

Im Bereich Politik kann Bild anscheined nur dann erfolgreich Agenda-Setting betreiben, wenn sich andere (seriöse ?) Medien zum Komplizen machen lassen und dadurch aufgescheuchte Politiker in Panik und operative Hektik verfallen. Behalten alle Beteiligten einen kühlen Kopf, so verlaufen entsprechende Aktionen, trotz Millionen-Auflage, schnell und wirkungslos im Sande.

Welche Folgen es aber haben kann, wenn man sich auf das Spiel der Bild-Zeitung einlässt, dokumentiert der Vortrag am Beispiel von “Florida-Rolf” (inzwischen sogar mit eigenem Wikipedia-Eintrag), gegen den Bild im Sommerloch 2003 eine vollkommen überzogene Hetz-Kampagne startete:

“Bild” besuchte den Mann und machte ihn als “Florida-Rolf” bundesweit bekannt. Andere Medien sprangen auf. Die Bundesregierung sah Handlungsbedarf und brachte in Rekordzeit eine Gesetzesnovellierung auf den Weg. Zwar leben keine 1000 Sozialhilfeempfänger im Ausland. Doch bis auf wenige Ausnahmen müssen sie nun nach Deutschland zurückkehren.

Für den Steuerzahler wird das ein teures Vergnügen. Er darf nicht nur für den Rücktransport der von ihm alimentierten Auslandsdeutschen aufkommen, sondern muss ihnen voraussichtlich auch einen erhöhten Sozialhilfesatz zahlen. Die meisten Sozialhilfeempfänger haben sich nämlich in Ländern – wie etwa Polen – niedergelassen, in denen das Leben billiger als in Deutschland ist. Da die Höhe der Sozialhilfe sich nach den Lebenshaltungskosten richtet, beziehen sie in der Regel in der Heimat mehr Stütze als in der Fremde.

So kann es gehen, wenn man mit “Bild” regieren will.

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