Was lange währt, wird wieder mal nicht gut !?

October 18th, 2004

Im Juli 2003 hatten sich Regierung und Opposition zusammengesetzt und gemeinsam unser marodes Gesundheitssystem “reformiert”: die Versicherten sollten zahlreiche Kosten zukünftig selbst tragen, im Gegenzug würden die Beiträge von über 14% auf deutlich unter 13% sinken.

So war der Plan und das Verlagern der Kosten auf die Versicherten klappte auch perfekt. Doch seltsamerweise verzögerte sich das Senken der Beiträge ein wenig !?

Seit fast einem Jahr warten nun alle ganz gespannt darauf, dass es endlich passiert. Doch glaubt man der aktuellen Ausgabe des Spiegel, hat die Senkung der Beiträge schon lange stattgefunden. Es hat nur niemand gemerkt:

Krankenkassen-Experten warnen vor möglichen Beitragserhöhungen

Im Gegensatz zu Bundeskanzler Gerhard Schröder und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt rechnen Spitzenvertreter der gesetzlichen Krankenversicherungen nicht damit, dass der Krankenkassenbeitrag von derzeit 14,2 Prozent des Bruttolohns weiter sinken wird.

In einer vertraulichen Analyse für den so genannten Schätzerkreis heißt es: “Die vormals hoch gesteckten Erwartungen werden sich nicht erfüllen.” Das Potenzial für Beitragssenkungen hätten “die Krankenkassen bereits vollständig weitergegeben”.

Wie jetzt ? Das Potenzial an Beitragssenkungen wurde schon weitergeben ? Aber wohin denn bitte, bei einem Beitragssatz von aktuell 14,2 % ??

Na gut, dieses Jahr war’s also nichts. Aber vielleicht im nächsten ? Da sinken die Beiträge doch ganz sicher, oder ?

Noch düsterer dürfte es nach Meinung der Experten 2005 aussehen. Dann könnten die Beiträge sogar ansteigen. “Für das nächste Jahr besteht unterm Strich im Durchschnitt aller Krankenkassen ein Beitragssatzerhöhungsdruck von 0,1 Beitragssatzpunkten”, heißt es in dem neuen Papier. ()

Tja, schade eigentlich.

Zwar pumpen die Versicherten dank Praxisgebühr, höheren Steuern und deutlich verschärften Zuzahlungen, inzwischen etliche Milliarden zusätzlich in das System, aber die versickern anscheinend dort, ohne groß bemerkt zu werden.

Statt die wirklichen Probleme zu lösen, wurde halt mal wieder das gemacht, was deutsche Politiker am besten können: neue “Einnahmequellen” erschlossen.

Leider wird so wohl auch zukünftig “reformiert”. Der nächste dicke Tropfen für diesen mächtig heissen Stein ist jedenfalls schon sicher: im Juli 2005 steigen die Beiträge um satte 0,4% – dieses Mal für den Zahnersatz…

Gesundheitspolitik, Reformversuche | Comments Jump to the top of this page

One comment on “Was lange währt, wird wieder mal nicht gut !?”

  1. 01

    Die Wirklichkeit sieht doch so aus:
    Erst verbietet die Gesundheitsministerin aus politischen Gründen den Kassen dringend notwendige Beitragserhöhungen und zwingt sie stattdessen Kredite aufzunehmen, was ihnen bisher per Gesetz sogar verboten war. Da die Kredite samt Zinsen von den Kassen aber aus den Mitgliedsbeiträgen zurückgezahlt werden müssen, bedeutet das nichts anderes, als daß die Versicherten nicht nur 8 Mrd EUR Schulden, sondern bisher auch noch ca. 1 Mrd EUR Zinsen tragen müssen. Und wenn die knapp 4 Mrd EUR Überschuß nicht sofort und vollständig zur Schukldentilgung verwandt werden, würde die Belastung weiter steigen.
    Eine teure politische Profilierung der Koalition auf Kosten der Beitragszahler!
    Die Beiträge werden erst dann wirklich fallen, wenn die Schulden vollständig getilgt und die Kassenleistungen nicht inzwischen wieder stärker gestiegen sind, als sie durch Arztgebühr und Zuzahlungen verringert wurden.

    Günther Sorge at March 28th, 2005 around 11:23
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