Neues von der Bahn: kleiner Fehler, grosse Wirkung

September 21st, 2004

In der Netzeitung findet sich ein Beitrag der recht gut in die Reihe “Dosenmaut – Murks in Made in Germany” passt:

Deutscher Bahn droht Milliarden-Panne durch Fehler bei neuer Digital-Technik

(…) Die Netzeitung hat streng vertrauliche Unterlagen einsehen können, nach denen das Milliarden-Vorzeigeprojekt GSM-R bei der flächendeckenden Umsetzung der Deutschen Bahn derzeit auf ähnliche Schwierigkeiten stößt wie zuvor das Toll-Collect-System auf der Straße.

Die Deutschen hatten bei der Festlegung auf den europäischen Standard demnach offenkundig das grundlegende Handwerkszeug der Eisenbahngeschichte vergessen. In Deutschland ist seit den Tagen der Reichsbahn jedem Zug eine bis zu fünfstellige Zugnummer zugewiesen, mit der dieser eindeutig identifiziert werden kann. Nun verkehrt aber auf deutschen Schienen inzwischen täglich eine sechsstellige Zahl von Zügen, was beim alten, analogen Funkverkehr nicht weiter schlimm war, da etwa S-Bahnen in Hamburg nicht zugleich auch in München fuhren und der alte analoge Funk rein Funkzellen-bezogen arbeitete.

Bei der Vorplanung des Milliardenprojektes GSM-R hatten die deutschen Vertreter der Bahn schlicht übersehen, dass mit der Umstellung auf das neue digitale Netz Tausende Züge nicht mehr direkt angesprochen («direct numbering») werden können, weil ihre Nummern mehrfach vergeben sind; ein aus Sicherheitsgründen unhaltbarer Zustand.

Tja, irgendwie dummgelaufen. Aber keine Sorge: das klingt alles schlimmer, als es ist. Denn die Probleme kann man alle mit Geld wieder lösen… wenn auch mit sehr viel Geld…

Intern heißt es bei der Bahn, dass die «Fehlentwicklung» bei der Projektierung von GSM-R bei der Deutschen Bahn mit Zusatzkosten von zunächst mehr als einer halben Milliarde Euro zu Buche schlagen könnte.

…und da die Bahn zu 100% dem Bund gehört, ist natürlich klar, von wem das viele Geld kommen wird !?

Gleichzeitig hat der ganze Ärger aber auch eine gute Seite für Mehdorn & Konsorten, denn…

Während für die Planungspannen der Bahn letztlich der Steuerzahler aufkommt, bringt die Lage die kleinen privaten Bahnbetreiber in Bedrängnis. Sie müssen ihre Loks derzeit für viel Geld auf GSM-R umrüsten, obwohl längst absehbar ist, dass diese Kommunikationstechnik zum Jahreswechsel nicht wie geplant einsatzbereit sein wird.

…so kann man wenigstens den nervigen Wettbewerbern ein paar Knüppel zwischen die Beine werfen !

Ach ja übrigens: die Bahn war heute Morgen schon einmal in den Schlagzeilen, allerdings hat das mit der obigen Geschichte natürlich nichts zu tun:

Deutsche Bahn hebt Preise im Fern- und Nahverkehr an

Die Deutsche Bahn erhöht die die Ticketpreise zum Ende dieses Jahres deutlich. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in Berlin mit und bestätigte damit Informationen der Netzeitung. Der Vorstand des Konzerns hatte die Preiserhöhung am Montagabend beschlossen.

Zur Begründung für die Preiserhöhungen führte das Unternehmen «erheblich gestiegene Kosten» an, (…)

Honi soit qui mal y pense…

Dosenmaut & anderer Unsinn, Staatliche Verschwendung | Comments Jump to the top of this page

Comments are closed.

“… alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.” – Art. 20,2 GG

Blogroll

Meta