Mitbestimmung contra Kundenorientierung

September 6th, 2004

Wenn man hier in Eimsbüttel einkaufen möchte, dann geht man in die Osterstraße. Dort gibt es zahlreiche kleinere und größere Läden, in denen man so ziemlich alles bekommt. Am gestrigen Sonntag fand dort wieder einmal eine von den Veranstaltungen statt, die die örtlichen Einzelhändler zusammen mit engagierten Anwohnern hin und wieder in Eigenregie organisieren.

Dieses Mal war es die Kunstmeile Osterstraße.

Entlang der gesamten Straße stellten lokale Künstler in 60 Schaufenstern ihre verschiedenen Werke aus. Und da dieses Jahr das zuständige Bezirksamt, in einem Akt großer obrigkeitsstaatlicher Gnade und Nachsicht, den Gewerbesteuer zahlenden Händlern eine Ausnahmegenehmigung erteilt hatten, konnten diese für ein paar Stunden an einem Sonntag ihre Läden öffnen – freilich mit angemessenen Auflagen, versteht sich (z.B. durften die Geschäfte erst um 11 Uhr auf machen, da man befürchtete, dass sonst viele von ihrem sonntäglichen Kirchgang abgehalten worden wären !?).

Das fand ich ziemlich praktisch. Denn am Freitag hatte ich dummerweise etwas vergessen und das konnte ich nun an einem Sonntag – man stelle sich vor ! – mal eben schnell bei Karstadt holen. Ein Hauch von Freiheit schien über die Servicewüste Deutschland zu wehen…

Doch leider dauerte es nicht lange, bis ich aus meinen Träumerein wieder zurück in die bundesrepublikanische Realität geholt wurde !!

Spätestens, als ich zusammen mit ein paar anderen potenziellen Karstadt-Kunden irritiert an den verschlossenen Toren des Konsumtempels rüttelte, musste ich festellen, dass der schöne Schein trog – nix da mit shoppen am Sonntag !

Warum wurde schnell klar, als wir uns im Schaufenster die Kunstwerke anschauten, für die vermutlich ein paar freischaffende Kreative der lokalen verdi Geschäftsstelle verantwortlich waren:
Tja, dumm gelaufen.

Aber schön zu sehen, dass sich auch in Zeiten von Konsumflaute, Hartz IV und drohenden Filial-Schliessungen, ein (gewerkschaftsdominierter ?) Betriebsrat nicht dem Diktat des Großkapitals beugt.

Da darf es auch keine Rolle spielen, dass die Mitarbeiter bereit wären, zu arbeiten. Schliesslich muss so ein Betriebsrat das große Ganze im Blick haben, nicht nur die Interessen von ein paar kleinen Angestellten.

Und so heisst es für die Kunden, die den Rest der Woche sowieso schon genug nerven, ganz zurecht…

“Wir müssen leider draussen bleiben !”

Deutschland, Gewerkschaften, Regulierungswahn | Comments Jump to the top of this page

2 comments on “Mitbestimmung contra Kundenorientierung”

  1. 01

    Fairerweise musst Du Zugeben, dass die Mitarbeiter die am Sonntag NICHT freiwillig gekommen wären vor der Geschäftsführung etwas blöd dagestanden hätten. Dementsprechend empfinde ich, was der Betriebsrat getan hat als Schutz für diejenigen die am Sonntag mal Ihre Freunde/Familie sehen wollen.

    Falls Du mal wieder am Sonntag was brauchst: Der LIDL auf dem Kiez hat auf. In der Woche bis 22h Sonntags bis 20h.

    Ralf at September 22nd, 2004 around 03:02
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  2. 02

    Die Läden durften an dem Tag gerade mal für 5 Stunden öffnen und die Filiale von Karstadt ist relativ klein. Die Leute, die sich freiwillig bereit waren zu arbeiten (ganz sicher nicht umsonst!!), hätten mit Sicherheit ausgereicht. Wer dazu keine Lust hatte, konnte vermutlich ungestört seinen wohlverdienten Sonntag geniessen, ohne Repressionen fürchten zu müssen.

    Oder ist Dein Kommentar dahingehend zu verstehen, dass für die Dich die Bereitschaft mehr zu arbeiten grundsätzlich unfair Anderen gegenüber ist und die davor unbedingt geschützt werden müssen ?

    Bjoern at September 23rd, 2004 around 02:33
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