Hartz IV: Fordern von Ost-Arbeitslosen führt zum Fördern von West-Beamten

July 23rd, 2004

Was war gestern der Aufreger des Tages?

Doch sicher die West-Beamten aus den Überschussbeständen der Deutschen Bundespost, die in den Osten geschickt werden sollen, um dort Ost-Arbeitslose schonend über die Ungewissheit Ihrer Zukunftsaussichten in Zeiten von Hartz IV zu informieren.

Nun hat sich in der Sache die allseits geschätze Frau Engelen-Kefer zu Wort gemeldet – als stellvertretende DGB-Vorsitzende und Mitglied des Verwaltungsrates der BA mitverantwortlich für alle Hartz IV-Maßnahmen (aus der Netzeitung):

“DGB weist Kritik von Ostdeutschen zurück
Der DGB nennt die Ablehnung ostdeutscher Regierungschefs, Westbeamte für Hartz IV in den Osten zu schicken, “abenteuerlich”. Wesentlich sei allein die Entsendung qualifizierten Personals an die BA. (…)”

Recht hat Frau Engelen-Kefer: das Einzige, was hier zählen darf, ist die Qualifikation des Personals! Und wenn sich verbeamtete Ex-Mitarbeiter der Ex-Bundespost mit etwas auskennen, dann ja wohl mit Anträgen und Formularen !!

Schliesslich haben die ihr Handwerk in der guten alten Zeit gelernt, als der Bürger noch brav einen Antrag stellen musste, wenn er von der Post mit überhöhten Gebühren und miesem Service abgezockt versorgt werden wollte.

In den privatisierten Nachfolgern Telekom und Deutsche Post/Worldnet waren ihre Qualitäten leider nicht mehr so gefragt und so landeten viele dieser begnadeten Bürokraten in einem Zwischenlager namens Vivento, um dort auf neue Herausforderungen zu warten.

Die scheinen jetzt von der Nürnberger Bundesagentur zu kommen !

Und so werden wohl demnächst rundum versorgte, unkündbare West-Beamte, mit freier Heilfürsorge und Pensionsanspruch, den ostdeutschen Langzeitarbeitslosen erklären, dass die endlich mal runter müssen von ihrer Anspruchshaltung gegenüber Vater Staat !!

Na, wenn das keine Herausforderung ist, was dann !?

Da allerdings ein Beamter, anders als ein Arbeitsloser, nicht zur Arbeit gezwungen werden kann, muss man ihm erst ein paar zusätzliche Anreize bieten, um ihn für diese anspruchsvolle Aufgabe zu gewinnen.

Also zauberte die Bundesagentur schnell noch ein paar Goodies aus der Kiste mit den knappen Beitragsmitteln: 5000 Euro Extra-Bonus, freie Heimfahrten, Übernahme von Mietkosten und eine satte Erschwerniszulage, wie sie auch Soldaten in Afghanistan erhalten – schliesslich müssen die armen Kerle in den Osten !

Tja, gar nicht so einfach, die Damen und Herren Beamten zur Erfüllung ihrer Dienstpflichten zu bewegen, oder ?

Aber egal – für den Osten ist uns ja nix zu teuer und nun ist wenigstens eine individuelle Beratung durch “qualifiziertes Personal” (s.o.) sichergestellt. Ausserdem müssen die Ossis dann nicht mehr stundenlang in der Telefonschleife von Clements Vorzimmer rumhängen.

Was will man mehr ?

Auf eine kranke Art und Weise macht das alles durchaus Sinn und ich bewundere die subtile Form von Ironie, die in dieser Maßnahme steckt !

Denn den Leuten, die nicht zuletzt dank 14 Jahren staatlicher Misswirtschaft dauerarbeitslos sind, das Ende ihrer sozialen Absicherung ausgerechnet von denen erklären zu lassen, die für sich eine staatliche Rundum-Versorgung als absolut selbstverständlich begreifen, ist eine Idee, auf die man erstmal kommen muss…

…Chapeau ! ;-)

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