Kaninchenohren trocknet man besser in Tschechien

May 26th, 2004

Zugeben: getrocknete Kaninchenohren sind nicht gerade mein Lieblingsfernsehsnack, aber vielleicht stehen Hunde auf sowas !?

Auf die Idee kam irgendwann ein findiger Unternehmer. Der besorgte sich einen Sack voll Ohren, die beim Schlachten als Abfall anfallen, liess sie vom Fell befreien und trocknen und verkaufte sie dann als Leckerbissen an wohlmeinende Hundebesitzer.

Das Ganze kam bestens an – die Firma florierte, schaffte 6 neue Arbeitsplätze und zahlte vermutlich auch brav Steuern. Eigentlich könnten jetzt alle glücklich und zufrieden sein, aber leider, leider kam eines Tages ein Schreiben vom Umweltamt Itzehoe.

Darin teilte man unserem Unternehmer mit, dass man in Deutschland zum Trocknen von Kaninchenohren “eine Änderungs- beziehungsweise Erweiterungsgenehmigung gemäß der vierten Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BIMSchG)” zu beantragen hätte und dass diese in seinem Falle leider nicht erteilt werden könnte, weil der Betrieb nicht in einem Gewerbe- oder Industriegebiet liegt.

BIMSchGDas Trocknen von Ohren war deshalb unverzüglich einzustellen, ebenso das Zahlen von Steuern sowie das Schaffen von Arbeitsplätzen…

Ein Missverständnis, dachte da unser Unternehmer und wies die Beamten darauf hin, dass das BIMSchG in seiner unendlichen Weisheit eine Bagatellegrenze von 4000 t / Monat vorsieht. Liegt man darunter, braucht man keine Genehmigung und er verarbeitete gerade mal 1000 t / Monat – also alles kein Problem !

Aber so schnell geben sich deutsche Beamte nicht geschlagen. Sie erklärten einfach, dass nicht das tatsächlich verarbeitete Gewicht relevant wäre, sondern das gesamte Schlachtgewicht der bedauernswerten Vierbeiner, deren Ohren da verarbeitet werden.

Die 1000 t bestehen aus 50.000 Ohren, die von 25.000 Tieren stammen und die bringen bei ihrer Schlachtung jeden Monat zusammen 62.500 t auf die Waage. Klarer Fall, für sowas muss eine Genehmigung her – die allerdings kann leider nicht erteilt werden ! Pech !!

Das von jedem Kaninchen gerade mal 40 g verarbeitetet werden, während der Rest beim Schlachter landet, betrachteten die emsigen Behördenbewohner als irrelevant und machen die Firma endgültig dicht !

Nun stehen die ehemaligen Kaninchenohrentrockner vermutlich beim Arbeitsamt und warten auf mit Steuergeldern finanzierte ABM-Stellen, während sich Hans Eichel mal wieder wundert, warum ständig mehr Geld rausgeht, als reinkommt… Schon irgendwie schade, oder ? Aber Vorschrift ist halt Vorschrift !

Ach ja, übrigens: Bello wird wegen dieses Verwaltungsaktes zum Glück nicht auf leckere Kaninchenohren verzichten müssen – die werden jetzt allerdings nicht mehr in Itzehoe, sondern in Tschechien getrocknet. Dort scheint man Arbeitsplätze und Steuergelder irgendwie dringender zu brauchen…

Ausführlicher Bericht bei Frontal 21.

Regulierungswahn | Comments Jump to the top of this page

One comment on “Kaninchenohren trocknet man besser in Tschechien”

  1. 01

    .. da hat jemand den Nagel auf den Kopf getroffen!!!

    Eva Ockl at May 27th, 2004 around 09:28
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