Kleiner Fehler, grosse Wirkung

April 5th, 2004

Hier noch ein kleiner Nachtrag zum Geniestreich Ausbildungsplatzabgabe

Über die Ziele rotgrüner Politik kann man ja durchaus streiten – mal vorausgesetzt, es gibt sie. Die einen finden sie super, die anderen das Letzte. Und bei den Maßnahmen, die sich aus diesen Zielen ableiten, schaut es naturgemäß ganz ähnlich aus.

Aber was sowohl Befürworter als auch Gegner von Rotgrün die Köpfe schüttteln lassen sollte, ist die absolut dilettantische Art und Weise, mit der sie ihre Politik umsetzen. Inzwischen haben sie es ja sogar geschafft, dafür einen eigenen Terminus Technicus zu prägen: “Handwerkliche Fehler” !

Ein paar Beispiele gefällig ? Die missglückte Formulierung in der Köperschaftssteuerreform 2000, die Grosskonzernen versehentlich Milliarden Euro Steuergeschenke bescherte, Chronischkranke, die monatelang drauf warteten als chronischkrank definiert zu werden oder die Mautverträge, in denen man sich die Zahlung von Schadenersatz hat abschwatzen lassen… usw… usf…

Nun scheinen wir bei der Ausbildungsplatzabgabe gerade noch einmal an einem neuen Desaster vorbei geschlittert zu sein… allerdings nicht, weil jemand in der Regierung es gemerkt hätte…

Wie Spiegel Online berichtet, ist die Formel zur Berechnung des Betrages, den ein Betrieb zu zahlen haben wird, wohl ein wenig kompliziert geraden. So kompliziert, dass Rotgrün auch hier mal wieder etwas den Überblick verloren hat:

Nach den Zahlen eines “Ausbildungsplatzabgaberechners“, den der DIHK im Internet zur Verfügung stellt, muss ein Unternehmen mit 100 Beschäftigten, das statt der geforderten 7 Lehrlinge nur 6 ausbildet, 4551 Euro Abgabe zahlen.

Ein Betrieb mit 1000 Mitarbeitern und 69 Azubis muss für die eine nicht besetzte Lehrstelle 9671 Euro bezahlen, und bei 10000 Beschäftigten kostet die fehlende Lehrstelle schon 60867 Euro. Völlig absurd wird es in einem Konzern mit 100 000 Mitarbeitern, aber nur 6999 Azubis. Die Ausbildungsplatzabgabe würde dann bis auf 572836 Euro steigen.

Ein Azubi zu wenig, kostet über eine halbe Million Euro Strafe ? Eigentlich vollkommen unglaublich, aber wahr ! Genauso unglaublich ist auch der Grund, wie dieser Fehler in die Gesetzesvorlage geraten ist:

Ursache für die Diskrepanz ist das Bestreben des federführenden Bildungsministeriums, die komplizierte Rechnung einfacher zu machen. Eine Verhältniszahl, mit der errechnet wird, um wie viel ein Lehrling die Strafzahlung mindert, ist abgerundet worden. Tatsächlich müsste sie aber bis auf mehrere Stellen hinter dem Komma angegeben werden, um das Auseinanderklaffen der Abgabe zu verhindern.

Tja, Bruch-Rechnung kann halt ganz schön schwierig sein. Und wenn man das Hantieren mit Zahlen den Deutsch- und Englisch-Lehrern überlässt, darf man sich wohl nicht wundern, wenn sich auch hier der ein oder andere handwerkliche Fehler einschleicht.

Zum Glück ist dieser hier rechtzeitig entdeckt worden. Denn mit der Akribie und Leidenschaft, mit der die deutsche Bürokratie auch den größten Schwachsinn umsetzet, sobald er erstmal Gesetz geworden ist, kann man wohl sicher sein, dass die sich das Geld auch geholt hätten.

Aber andererseits hätte man für die zuviel erhobenen Euros ganz sicher auch eine Verwendung gefunden. Das ist bei Rotgrün nämlich Kernkompetenz… ;-)

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