Wir sagen Danke, Ulla – für Preiserhöhungen von 500% !?

January 13th, 2004

Obwohl sich zur Zeit alle in Sachen Gesundheitsreform über die Praxisgebühr aufregen, steckt der wirkliche Schwachsinn viel tiefer und wird erst dann erkennbar, wenn man sich die Details der Reform einmal genauer anschaut.

Perfektes Beispiel dafür: die Neuregelung der Zuzahlung für Medikamente.

Bis zum 31.12.2003 mussten gesetzlich Versicherte nach Verpackungsgröße gestaffelt bestimmte Beträge zuzahlen. Dabei gab es einen Mindestbetrag von 4 Euro. Kostete das Medikament weniger als 4 Euro, zahlte man lediglich den entsprechenden Preis. So weit, so gut…

Mit Beginn diesen Jahres wurde nun der Mindestbetrag auf 5 Euro erhöht, wobei man natürlich nach wie vor nur den tatsächlichen Preis zahlt, wenn das Medikament billiger ist. Auf den ersten Blick hat sich also nicht all zu viel geändert.

Allerdings enthält die Reform auch eine Neuregelung der Preisgestaltung durch die Apotheken. Grundsätzlich gilt hier, dass der Hersteller der Arznei einen bestimmten Einkaufspreis festlegt. Der Endpreis ergibt sich dann durch einen Zuschlag für die Apotheken, der wiederum vom Gesetzgeber vorgegeben wird.

Hier hat es nun eine Änderung gegeben (ausführliche Infos hierzu gibt es übrigens bei ARD Plusminus):
Vor der Reform gab es nur einen prozentualen Zuschlag, der vom Einkaufspreis abhing. Nun wurde dieser durch einen preisunabhängigen Festbetrag in Höhe von 8,10 Euro “ergänzt”, der zusätzlich zu dem variablen Satz von 3% anfällt. Den Endpreis für ein Medikament ergibt sich also seit dem 1.1. nach folgender Formel:

Endpreis = Einkaufspreis + 8,10 Euro + 3% variabler Zuschlag + 16% Mwst

Kleine Massnahme – grosse Wirkung ! Denn faktisch ist so ein Mindestpreis für verschreibungspflichtige Arzneimittel in Höhe von über 10 Euro entstanden !!

Vor der Reform gab es viele Medikamenten deren Preise deutlich unter 4 Euro lagen. Das waren primär Präparate, die massenhaft gebraucht werden und sich deshalb preiswert produzieren lassen: z.B. Rheuma-Mittel oder einfache Antibiotika.

Durch den neuen Zuschlag sind nun die Preise hierfür von 2 oder 3 Euro auf deutlich über 10 Euro geklettert ! Also ein Anstieg etwa 500% !!

Gleichzeitig sind alle Anreize kleinere Verpackungsmengen oder preiswertere Alternativen (Generika) zu nehmen, weggefallen, denn alles in diesem Bereich kostet ja jetzt 5 Euro: da greift man doch lieber zum teuren Originalprodukt und nimmt ein paar Pillen mehr – die Kasse zahlt’s ja…

Richtig angeschmiert werden aber durch diese Regelung privat Versicherte, denn auch für sie gelten die neuen, von Ulla künstlich nach oben getriebenen Preise ! Hat man dann noch einen Selbstbehalt, so zahlt man die Mehrkosten in voller Höhe aus der eigenen Tasche !!

Kann mir mal bitte jemand erklären, welchen Sinn das machen soll ?

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