Die Ich-AG im Dickicht staatlicher Bürokratie

January 20th, 2004

Gestern Abend gab es auf N3 einen interessanten Bericht über zwei Frauen, die sich beide getrennt voneinander vor etwa einem Jahr als Ich-AGs selbständig gemacht haben (Beitrag als RealMedia-Stream).

Die eine hat einen Antiquitätenladen kombiniert mit einer Werkstatt für Möbelrestauration eröffnet. Die andere betreibt einen Haustier-Service und betreut die Tiere von Berufstätigen.

Im Grunde sind sie durchaus zufrieden mit dem Modell der Ich-AG. Zwar ist alles etwas mühsam, aber die Geschäfte entwickeln sich positiv und beide schauen recht optimistisch in die Zukunft. So weit, so gut…

Allerdings kann man in unserem Land über solche Dinge nicht berichten, ohne dabei gleich noch ein paar nette Beispiele für staatliche Bürokratie und Überregulierung mitzuliefern.

Denn genauso wie Haare schneiden oder Wände weiss anmalen, gilt auch das Restaurieren alter Möbel als so lebensgefährlich, dass man einen Meisterbrief braucht, um dies gewerbsmäßig machen zu dürfen. Alte Möbel verkaufen (und nebenbei auch mal was reparieren) darf allerdings jeder und durch diese Gesetzeslücke ist eine der beiden hoffnungsvollen Existenzgründerinnen geschlüpft.

Jedoch nicht einfach so, denn sie muss nun den größten Teil ihres Umsatzes mit dem Verkauf machen. Kommen zu viele Kunden, die nur etwas restaurieren lassen wollen, weil sie gut und zuverlässig arbeitet, hat sie ein Problem und muss sich entscheiden: entweder sie verzichtet auf den Umsatz und verärgert potenzielle Kunden oder sie läuft Gefahr, dass ihr Laden ganz dicht gemacht wird. Zwei schöne Alternativen, die der Staat da für sie bereithält, oder ?

Das schaut in dem anderen Fall etwas besser aus: Hunde Gassi führen ist erstaunlicherweise bisher noch nicht eingehend gesetzlich reguliert ! Mit einem einzelnen Hund im Auto zum Tierarzt fahren allerdings schon, denn das gilt als gewerbsmäßiger Tiertransport. Und hier gelten für mal eben 10 Minuten Bello durch die Stadt fahren, dieselben Vorschriften, wie für 100 Schweine, die zusammen gepfercht in einem kleinen LKW acht Stunden am Brenner im Stau stehen.

Dies bedeutet u.a., dass das Transportmittel eine Klimaanlage haben muss, was der Privatwagen unserer Ich-AG-Inhaberin leider nicht hat !? Zur Zeit kann sie trotzdem ihren Lebensunterhalt verdienen, weil ein wohlmeinender Beamter dafür eine Ausnahmegenehmigung erteilt hat. Diese gilt aber nur noch bis zum Sommer.

Sollte sie bis dahin nicht irgendwo das Geld für eine im Grunde unnötige, aber staatlich verlangte Investition in einen neuen Wagen aufgetrieben haben, schaut es schlecht aus für ihre kleine Firma. Dann wird sie wohl als gescheiterte Existenzgründerin wieder den Gang zum Arbeitsamt antreten dürfen.

Tja, Unternehmen gründen ist halt, wie jeder Beamte weiss, gar nicht so einfach…

Ach ja, wenn sie dann zum Arbeitsamt ihren eigenen Hund im Auto mitnehmen möchte, braucht sie dafür selbstverständlich keine Klimaanlage mehr. Wozu auch !?

Arbeitsmarkt, Regulierungswahn | Comments Jump to the top of this page

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“… alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.” – Art. 20,2 GG

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