Immer schön raus mit der Kohle

August 4th, 2003

Tja, nun ist es gerade mal zwei Wochen her, dass Ulla und Horst ihre grosse Jahrhundert-Reform des Gesundheitssytems auf den Weg gebracht haben. Unter dem Beifall vieler Lobbyisten und Interessengruppen hatte man die Lasten fast komplett auf Patienten und Steuerzahler abgewälzt. Pharmaindustrie, Krankenkassen & Co. kamen mit einem eher symbolischen Beitrag davon.

Was ganz verständlich ist, denn wenn man dem Bürger sagt, er muss ab sofort für weniger Leistung mehr zahlen, dann macht der das halt – was bleibt ihm anderes übrig ? Eine saubere, einfache Lösung und Politiker mögen einfache Lösungen.

Weitaus schwieriger ist es jedoch z.B. die Krankenkassen dazu zu bringen, ihre Verwaltungskosten zu senken, wie dies eigentlich regelmäßig per Gesetz versucht wird. Das Ergebnis dieser Bemühungen konnte man heute mal wieder bewundern:

“Im vergangenen Jahr hätten die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen bei 8,02 Milliarden Euro gelegen, berichtet das “Handelsblatt” unter Berufung auf die aktuelle Jahresstatistik des Bundesgesundheitsministeriums. Der Verwaltungsaufwand sei von 94 Euro pro Kassenmitglied im Jahr 1991 auf 157 Euro im vergangenen Jahr gestiegen.” (…aus Spiegel Online)

Bei manchen Kassen lag der Verwaltungsaufwand pro Patient inzwischen sogar schon bei 176 Euro. In einer Zeit also, in der fast alle Unternehmen gezwungen sind Overhead-Kosten radikal zu senken, haben die gesetzlichen Kassen ihre auf Rekordniveau angehoben… Eine reife Leistung der gut bezahlten Kassen-Funktionäre, auf welche diese wohl auch durchaus stolz sind:

“Die Pläne der Regierung, die Verwaltungskosten in Zukunft per Gesetz zu begrenzen, halten die Kassen daher für verfehlt. Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) hat ihnen für dieses Jahr eine Nullrunde verordnet. Ab 2004 sollen die Verwaltungsausgaben je Mitglied nur noch so stark steigen wie die Einnahmen.”(…aus Handelsblatt)

Und gleich der nächste Hammer: anstatt dafür zu sorgen, dass die Verschwendung von Kassenbeiträgen endlich kleiner wird, will Ulla das Rekordniveau dieses Jahr halten und ab dann weiter steigen lassen – parallel zu den Einnahmen !?

Der Anreizmechanismus, der daraus für die Kassen resultiert ist genial: je mehr Geld sie verschwenden, desto höhere Beiträge müssen sie verlangen. Aus höheren Beiträgen resultieren höhere Einnahmen und daraus wiederum die Erlaubnis, noch mehr Geld zu verschwenden…

Könnte es sein, dass Ulla da ein sozialpolitisches “Perpetuum Mobile” erfunden hat ?

Gesundheitspolitik, Ulla Schmidt | Comments Jump to the top of this page

Comments are closed.

“… alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.” – Art. 20,2 GG

Blogroll

Meta