Gerds schicke, neue Klamotten

June 1st, 2003

Ich habe gerade mal kurz den sonnigen Balkon gegen einen schattigen Platz vor dem Fernseher getauscht, um den Auftakt zum SPD-Reformparteitag verfolgen zu können und was man da sieht, ist wirklich faszinierend:

Gerd hält zur Zeit eine Rede, in der er die “grossen Erfolge” seiner bisherigen Arbeit ausführlich erläutert und er schafft es tatsächlich, dabei vollkommen ernst zu bleiben:

“Die ökologische Steuerreform ist nur mit Rotgrün möglich gewesen…”
…schon klar, aber eigentlich wollte man damit doch die Sozialbeträge auf ewig zu senken. Hätte das geklappt, würde man wohl kaum heute da sitzen, oder ?

“Mit der Riester-Rente hat man endlich den Einstieg in die Reform der Rentenversicherung geschafft…”
…dumm nur, dass dieser Einstieg gründlich schief gegangen ist, denn das Ganze ist so kompliziert, dass sie kaum einer nutzt. Ausserdem sind die Beiträge zur gesetzlichen Rente so hoch, dass sich viele keine zweite Rente leisten können. Und schliesslich lohnt sich die Riester-Rente eigentlich nur, weil der Staat Geld dazu gibt. Aber wer sich darauf verlässt, ist selbst schuld, denn diese Zuschüsse werden wohl recht bald gekürzt.

Und dann sein bestes Argument: “Stellt Euch mal vor, es wäre jemand anders in der Verantwortung gewesen, der sich nicht so entschiedenen gegen den Krieg engagiert hätte ! Nicht auszudenken, was dann passiert wäre !! “
Wow, das kam wirklich glaubhaft rüber !! Für einen kurzen Augenblick habe ich echt gedacht, der Krieg wäre nur ein böser Traum gewesen…

usw… usw…

Wahnsinn, aber jede einzelne Maßnahme, die er gerade aufzählt, hat ihr ursprüngliches Ziel nie erreicht, meistens ist das genaue Gegenteil dabei rausgekommen. Aber trotzdem verkauft sie Gerd als grandiose Erfolge und alle klatschen…

…irgendwie kommt mir das ziemlich bekannt vor:

(…) Die Kammerherren, die das Recht hatten, die Schleppe zu tragen, griffen mit den Händen gegen den Fußboden, als ob sie die Schleppe aufhöben, sie gingen und taten, als hielten sie etwas in der Luft; sie wagten es nicht, es sich merken zu lassen, daß sie nichts sehen konnten.

So ging der Kaiser unter dem prächtigen Thronhimmel, und alle Menschen auf der Straße und in den Fenstern sprachen: “Wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich! Welche Schleppe er am Kleide hat! Wie schön sie sitzt!” Keiner wollte es sich merken lassen, daß er nichts sah; denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. Keine Kleider des Kaisers hatten solches Glück gemacht wie diese.

“Aber er hat ja gar nichts an!” sagte endlich ein kleines Kind. “Hört die Stimme der Unschuld!” sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte.

“Aber er hat ja gar nichts an!” rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ,Nun muß ich aushalten.’ Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

Schon eine seltsame Sache, wenn man in einem Märchen mehr Wahrheit entdecken kann, als in allen Reden eines Parteitags zusammen…

Blanker Zynismus, Rotgrün regiert, SPD, Schweigen ist Gold | Comments Jump to the top of this page

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“… alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.” – Art. 20,2 GG

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