Alle Ost-Räder stehen still, wenn der starke West-Arm es will

June 23rd, 2003

Das nennt man wohl Ironie des Schicksals: zu einer Zeit, als Superminister Wolfgang eine reinlich unnötige Diskussion über die Abschaffung von Feiertagen und die Notwendigkeit für Alle länger zu arbeiten vom Zaun bricht, veranstalten unsere lieben Gewerkschaften einen lustigen kleinen Arbeitskampf im wilden Osten – das Ziel: eine 35 Stunden-Woche für Alle !

Die hatten sich die Gewerkschaften im alten Westen bereits in den 80′er Jahren erstreikt. Sie hielten das damals für den besten Weg, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen – zu einer Zeit als die Arbeitslosenquote bei etwa 5% lag. Heute, etwa 20 Jahre später und bei einer Arbeitslosenquote von über 10%, könnten leicht Zweifel aufkommen, ob das damals wirklich eine gute Idee war – jedenfalls dann, wenn man kein Gewerkschaftsfunktionär ist. Für die schaut die Welt nicht ganz so kompliziert aus: Arbeitszeitverkürzung ist gut und richtig, wenn’s nicht funktioniert sind halt die Arbeitgeber schuld – Basta !

Weil das so ist, hat man in den schicken Gewerkschaftszentralen im Westen beschlossen, damit nun auch die ostdeutschen Werktätigen zu beglücken – jedenfalls die, die zur Zeit noch einen Job haben. Das nur 8% von denen in einer Gewerkschaft sind und die meisten lieber einfach nur arbeiten würden, ist allenfalls am Rande relevant. Und das die Presse meint, dieses Theater wäre nur eine Werbeaktion der Gewerkschaften, um ein bisschen Macht zu demonstrieren, ist genau so Propaganda, wie die Behauptung, es gehe darum, die Wettbewerbsvorteile im Osten platt zu machen, damit man die nicht wieder bei den nächsten Tarifverhandlungen im Westen vorgehalten bekommt.

Nein, nein – alles quatsch !! Einzig und allein die Interessen der vom Kapital ausgebeuteten Ost-Arbeiter haben die Gewerkschaften im Auge. Und das Funktionäre aus dem Westen einfach dem Osten vorschreiben wollen, was dort zu geschehen hat, ist eine bodenlose Frechheit… weit weg von jeder Realität…

Seltsam nur, dass all die forschen Streikführer vor Ort, die man im Fernsehen zu sehen bekommt, mit einem deutlichen Ruhrgebietsakzent sprechen, wenn sie sich über die Sturheit der bösen Arbeitgeber echauffieren. Die sächselnden Kollegen scheinen irgendwie immer gerade austreten zu sein, wenn die Medien kommen !? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt… ;-)

Artikel bei Spiegel Online, Kommentar der FTD

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