Status Quo oder Status Go ?

May 15th, 2003

Letztes Jahr wurde uns ein stagnierendes Wirtschaftswachstum noch euphemistisch als “schwarze Null” und folglich nicht so schlimm verkauft. Nun schaut es aber so aus, als wenn sich die schwarze Null langsam aber sicher rot einfärbt. Aus der FTD von heute:

Rezessionsgefahr für deutsche Wirtschaft
Das Bruttoinlandsprodukt ist nach Angaben des Statistischen Bundesamt im ersten Quartal überraschend geschrumpft. (…) Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Vierteljahr 2003 gegenüber dem Vorquartal – saison- und kalenderbereinigt – um 0,2 Prozent. (…) Rutscht das BIP auch im zweiten Quartal ins Minus, würde das ein Abrutschen in die Rezession bedeuten. (…)

Aber hey: “-0,2%” ? Das ist ja nur ein ganz kleines bisschen rot… Doch kein Grund gleich das böse R-Wort in den Mund zu nehmen !!

Und überhaupt, ist doch klar wer Schuld daran ist: der böse Ami mit seinem Krieg und dieses blöde Virus… und beides wollten wir nicht haben… da können wir jetzt auch nix mehr dran ändern… Pech… ist halt so… Anderes Thema bitte…

So oder so ähnlich wird vermutlich die Reaktion des Gerd-Show-Ensembles in den Talkshows am Wochenende aussehen. Und irgendwie ist es ja jedem klar: die fetten Jahre sind vorbei, Wachstum gibt’s woanders, aber nicht hier ! Aber wieso eigentlich ?

Seit Jahrzehnten dümpelt Deutschlands Wirtschaftswachstum so vor sich hin. Und jeder scheint sich damit abzufinden. Das Einzige was sich mit der Zeit geändert hat, ist die Begründung für diesen Fatalismus: Vor 1990 hiess es, uns geht es so gut, wir können halt nicht mehr wachsen. Seit 1990 ist allen klar: dem Osten geht’s so schlecht, der zieht uns alle runter, jetzt können wir halt deswegen nicht mehr wachsen. Zwei Mal das gleiche Problem, aber zwei vollkommen entgegengesetzte Ausreden, warum man eine Lösung gar nicht erst erwarten kann.

Warum ist Ostdeutschland eigentlich nie zum Wachstumsmotor für das ganze Land geworden ? Klar, weil’s nicht geht ! Stellen wir die Frage anders: Warum schauen die Menschen in vielen armen osteuropäischen Staaten bei über 5% Wachstum zuversichtlich dem EU-Beitritt entgegen, während im mit Westgeld aufgepumpten Ostdeutschland Stagnation und Hoffnungslosigkeit als selbstverständlich akzeptiert werden ??

Dafür gibt es sicher viele kluge Erklärungsmodelle, aber mir fällt dazu ein Zitat ein, das ich vor einiger Zeit irgendwo gelesen habe:

“If you don’t have audacious goals, your people will be status quo instead of status go.”
- Roy Spence Jr., Founder and President, GSD&M

Den Rentenbeitrag von 13,5% auf 12,8% zu senken, ist kein “kühnes Ziel” – ein Wachstum von 1,5% sicher auch nicht… So schafft man keine Aufbruchstimmung, sondern “gestaltet” nur den Abstieg…

Aber was wäre, wenn wir zukünftig von unserer Regierung Vollbeschäftigung, 5% Wachstum und eine Staatsquote von unter 40% erwarten würden ? Wäre dieses Land dann endlich wieder im Status Go ?? Vielleicht…

Aber ganz sicher würde dann der nächste Kanzlerkandidat vorher mal intensiv darüber nachdenken, ob er den Job wirklich will und warum !! Und damit wäre doch schon eine Menge gewonnen, oder ??

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“… alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.” – Art. 20,2 GG

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